17. July 2019

Colours | Farbrausch – Klassische Klangfarbenpalette

Man kann der Faszination der klassischen Musik kaum näherkommen als bei den Konzerten, die das Kammermusikfest Sylt – im mittlerweile achten Jahr – in verschiedenen Orten auf der Nordseeinsel anbietet. Hier ist es möglich, diese leidenschaftliche, mit Leben und Ausdruck erfüllte Kunstform besonders intensiv live zu erleben. Die Nähe zum Publikum, die Hingabe, mit der sich alle Mitwirkenden der Musik widmen, die Freude am Austausch, am Dialog über das Gehörte und Gespielte.  
 
Im Sommer 2019 steht das Programm unter dem Motto „Colours | Farbrausch“. Denn nicht nur die Farben eines Gemäldes oder einer Landschaft rufen beim Betrachter Emotionen hervor. Auch die Klangfarben einer Komposition oder sogar eines Instruments sind Teil der Ausdrucksmöglichkeit von Musik. Deswegen wird jedes Festivalkonzert einer Farbe gewidmet sein; neben dem jeweiligen Hauptwerk im Programm erzeugen passend abgestimmte Einzelsätze oder kürzere Stücke die jeweiligen Klang-Farbschattierungen. Begonnen wird mit Blau, der beliebtesten Farbe – und nichts passt besser dazu als Schubert A-Dur-Klavierquintett D 667, besser bekannt als „Forellenquintett“. Im Laufe des Festivals intensiviert sich die Farbigkeit bis hin zum abschließenden, intensiven Rot. In den Matinee-Konzerten erweitert sich das Stil-Farben-Spektrum, die Palette reicht vom leuchtenden Barock bis zum sanften Schillern der Aquarell-Farben des französischen Impressionismus. Dazu kommt ein kunterbuntes Kinderkonzert im Kleinen Musiktheater Westerland. Und als funkelnde Farbtupfer im Festival-Repertoire gibt es außerdem täglich Tango zu erleben mit Susanna Moncayo (Gesang), Marcelo Nisinman (Bandoneon) und Diego Vila (Klavier), international bekannten Tango-Spezialisten aus Argentinien.
 
Seit 2012 lädt der Cellist Claude Frochaux, künstlerischer Leiter des Festivals, gemeinsam mit dem organisatorischen Leiter Malte Ruths renommierte Freunde aus der internationalen Musikwelt ein. Dabei reisen die Künstler nicht nur für ein Konzert an und sofort wieder ab, sondern bilden eine kreative, im wahrsten Sinne des Wortes harmonische Einheit, die in der Festivalwoche in immer wechselnden Zusammensetzungen zu hören ist. 

Diesen Teamgeist hört man jedem der Konzerte an: Sie bieten einem enthusiastischen Publikum Virtuosität auf höchstem kammermusikalischen Niveau, in lockerer Atmosphäre. Claude Frochaux: „Während der Festival-Tage werden Sie in jedem abendlichen Konzert komplett physisch in eine Farbe eintauchen, sie hören und spüren. Natürlich können diese Empfindungen sehr individuell sein. Und vielleicht wird Sie die Musik mit diesem Programm etwas Neues entdecken lassen, das Sie vorher noch nicht gedacht hätten. Ich wünsche Ihnen und uns allen ein rauschendes Fest der Farben und freue mich gemeinsam mit meinen fantastischen musikalischen Freunden sehr, Sie zu diesen fünf ganz besonderen Tagen einzuladen.“
 
Das Kammermusikfest Sylt hat sich bereits nach kurzer Zeit im reichhaltigen Angebot des Sylter Sommers etabliert, weil es besonders ist und zugleich ganz einfach: ein einmaliger Ort der Begegnung. Es erweitert den Horizont. Das junge, engagierte Team um den künstlerischen Leiter und Cellisten Claude Frochaux und Malte Ruths will die eigene Begeisterung für Klassik vorstellen und teilen. Eine Besonderheit, die das Konzept verdeutlicht, ist der Wille, jüngeres Publikum an klassische Musik heranzuführen. Deswegen ist der Eintritt für Konzertgäste bis zum Alter von 29 Jahren kostenlos. 
 
Neben den Orten, die das Kammermusikfest Sylt traditionell jedes Jahr besucht – wie die elegante Galerie Falkenstern Fine Art in Kampen, die Kirche St. Martin Morsum oder der festliche Friesensaal in Keitum – wird im Sommer 2019 die Dorfkirche St. Niels in Westerland wieder eine beliebte Spielstätte für das Festival darstellen. 
 

  • Das Programm: Von Blau bis Bunt

 
Beim Eröffnungskonzert am Sonntag, 28. Juli in St. Niels kombiniert das Musiker-Ensemble Schuberts „Forellenquintett“ einerseits mit Tangos u.a. von Astor Piazzolla und Carlos Gardel, andererseits aber auch mit einer faszinierenden Komposition des US-Avantgarde-Gitarristen Marc Ribot und der meditativ wirkenden Musik des Letten Peteris Vasks. Denn Blau ist nicht nur die Farbe des Wassers, sie steht auch für die Sehnsucht im Tango und für die Kontemplation am Ufer der Stille.
 
Einen Tag später, am 29. Juli, in der Akademie am Meer Klappholttal, ist das Programm-Motto zwar „Schwarz“. Doch die Zusammenstellung bietet etliche Abstufungen, sie reichen von Ottorino Respighis „Il Tramonto“ („Sonnenuntergang“) für Mezzosopran und Streicher, dem ein Shelley-Gedicht die Vorlage lieferte, und Debussys märchenhafter Mondlicht-Vertonung „Clair de lune“ bis zu Chansons und Liedern von Brel und Weill, die in der vermeintlichen Dunkelheit umso intensiver aufleuchten. 
 
Das „Transparenz“-Konzert am 30. Juli in der Galerie Falkenstein Fine Art in Kampen setzt auf Klassiker –  Haydn und Mozart, Scarlatti und Rameau. Stil-Ikonen, deren Musik zeitlos raffiniert ist. Nach dieser Matinee folgt am Abend ein weiteres Konzert für Gourmets, erneut in St. Niels. Dort materialisiert sich das „Grün“ als Leitmotiv der Natur in der Musik von Beethovens „Pastorale“-Sinfonie – allerdings nicht in der regulären Version für großes Orchester, sondern in einer wunderbar detailverliebten Bearbeitung für Streichsextett. Für ein zweites großes Überraschungsmoment in diesem Programm sorgt garantiert das Arrangement der beliebtesten Melodien aus Bizets Oper „Carmen“ für vier Violinen und Kontrabass.

 

Für „Brillanz“ ist am 31. Juli im Sylt Museum Keitum bestens gesorgt. Dort erklingt u.a. die Cello-Suite des Katalanen Gaspar Cassadò (1897-1966), für die er sich Bachs barocke Meisterwerke als Vorbild nahm. Ähnlich virtuos: das von Rossini komponierte Duett – stellenweise mehr ein Geschicklichkeits-Duell – für Violoncello und Kontrabass. Die Farbkombination „Pastell & Neon” ist alles andere als alltäglich. Im Muasem Hüs in Morsum wird sie für Aufsehen erregende Begegnungen sorgen, wenn Ravels Duo für Violine und Klavier auf ein Potpourri aus “Porgy and Bess”-Hits trifft, das der Jahrhundertgeiger Jascha Heifetz arrangierte. In der Kirche St. Martin zu Morsum werden argentinische Tangos und die „Canciones populares espanolas“ für Mezzosopran und Gitarre von Manuel de Falla mit einem Meisterwerk kombiniert, das auf der Schwelle zum 20. Jahrhundert entstand: Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“, spätromantisch berauschend und von überwältigender Klangschönheit.

Das „Halb-Finale“ am 1. August mit Bach, Sibelius und Piazzolla in der Akademie am Meer ist „Weiß“ gewidmet und beinhaltet daher auch – als hintersinnige Hommage an das Weiße Rauschen der Nordsee – John Cages Klassiker 4‘33“, das die totale Abwesenheit von Noten zum Hörerlebnis macht. Spektakulär endet das Kammermusikfest am Abend im Keitumer Friesensaal mit „Rosa + Rot“: Chansons, das wild pulsierende Klavierquintett von César Franck, bevor „Tangos del Diablo“ umgehend die Sehnsucht auf den nächsten Sommer des Kammermusikfest Sylt entfachen.
 
Derart liebevoll komponierte Programme sind weit mehr als die Summe ihrer Teile. Sie zeigen, wie klug, aufregend und erhellend ein Klassik-Festival sein kann, wenn die Musik mit all ihren Klangfarben im Mittelpunkt steht. Wenn jeder Farb-Ton perfekt platziert ist.
 
Mitwirkende Daniel Rowland, Karolina Weltrowska, Mi-Sa Yang (Violine) Meghan Cassidy, Benjamin Roskams (Viola) Maja Bogdanovic, Claude Frochaux (Cello) Zoran Markovic (Kontrabass) Susanna Moncayo (Gesang) Natacha Kudritskaya, Diego Vila (Klavier) Alberto Mesirca (Gitarre) Marcelo Nisinman (Bandoneon) Cornelia Walther (Musikvermittlung)
 
Weitere Informationen: www.kmfsylt.de, 
 
Eintritt: je nach Konzert 20 bzw. 10 Euro, Kinderkonzert: Eintritt frei. Abschlussgala: 25 Euro. Festivalpass: 109 Euro. Bis einschl. 29 Jahre Eintritt frei. Schwerbehinderte, Arbeitslose, Asylbewerber Eintritt frei  Tickets: www.insel-sylt.de, an allen bekannten Vorverkaufsstellen der Insel sowie an der Tageskasse .

Änderungen + Irrtümer vorbehalten