10. April 2019

Das Fazit lautete: staubig und wenig aufregend

Die Sölring Foriining geht nach den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage zeitgemäße Wege  
Die Sölring Foriining ist mittlerweile über 113 Jahre alt. Höchste Zeit, die Menschen einmal zu fragen, ob der Heimatverein noch auf dem richtigen Weg ist.

 
Das hat die Sölring Foriining unter zur Hilfenahme der professionellen Sylter Marketing-Agentur „Markenjung“ im vergangenen Herbst getan. Begleitet wurde er dabei von seinem  Aufsichtsrat um Heinz Maurus, der stellvertretend für die Mitglieder die Arbeit des Vorstandes begleitet.
Bei der Umfrage herausgekommen sind erstaunliche und vor allem repräsentative  Ergebnisse, die zu einer zeitgemäßen Neuausrichtung geführt haben und nach der Jahreshauptversammlung nicht nur den Mitgliedern, sondern jetzt auch der Öffentlichkeit vorgestellt worden sind.


Sven Lappoehn,  Geschäftsführer der Sölring Foriining, berichtet darüber im nachfolgenden Interview:


Herr Lappoehn – „Zeitgemäße Neuausrichtung“ lautet die Überschrift, was genau steckt dahinter?
 
Wir sind in den letzten drei Jahren sehr aktiv gewesen: die Museen haben mit Alexander Römer einen neuen Leiter bekommen, die Häuser in Keitum werden saniert, die Besucherzahlen unserer Einrichtungen konnten gesteigert werden, der Kampf um den Schutz des Denghoog in Wenningstedt wird von uns geführt – das sind Dinge, die uns im Täglichen zusätzlich zum ganz normalen Arbeitsanfall ziemlich in Atem halten. Deshalb wollten wir wissen, ob wir die eigentlichen Aufgaben der Sölring noch erfüllen und ob die Menschen das wahrnehmen. Denn wie jeder andere Verein haben wir aufgrund des demografischen Wandels Sorge um unsere Mitgliederzahlen, auch, wenn die noch bei über 2600 liegen.
 
Was ist bei der Umfrage herausgekommen?
Die Umfrage hat ergeben, dass wir für Sylt absolut unentbehrlich sind. Das empfinden die Urlaubsgäste ebenso wie die Insulaner. Allerdings wissen viele Leute gar nicht, was wir neben der Museumsarbeit genau tun oder halten uns für „staubig“ und „veraltet“. Deshalb haben wir unseren Außenauftritt neu gestaltet und treten jetzt viel moderner in Erscheinung. Zugleich haben wir zwei neue Webseiten erstellt. Der nicht mehr zeitgemäße digitale Auftritt war einer der größten Kritikpunkte der Befragten.


 
Warum denn gleich zwei Webseiten? 
 
Wir haben jetzt eine für unsere Museen und erstellen gerade eine für unseren Verein. Bei der Analyse haben wir erkannt, dass der Verein wieder mehr Luft zum Atmen braucht. Der Erfolg der Museen hat viele unsere Aktivitäten im Bereich Natur- und Umweltschutz überstrahlt. Durch die separaten Internetauftritte können wir besser darstellen, was der Verein neben den Museen noch alles macht und so Menschen für uns interessieren, deren Fokus nicht auf dem Bereich Kultur liegt. Trotzdem gehören Museen und Verein nach wie vor zusammen, da hat sich nichts geändert. Wer jetzt auf Sylt im Netz nach Museum oder Naturschutz sucht, wird dann nur eben gleich auf unsere passende Seite geführt und bekommt schneller mehr Informationen dazu.
 
Die Namen der Museen wurden ebenfalls geändert. Warum?
Das stimmt, doch gerade in diesem Bereich sind wir sehr behutsam vorgegangen, denn wir kennen und achten die Empfindlichkeit der Sylter, wenn es um ihre Tradition geht. Wir haben uns die Namen aus Sicht der Touristen angeschaut, von denen auch wir leben. Verstehen sie auf den ersten Blick, was sie in unseren Häusern erwartet? Da, wo es Diskrepanzen gab, haben wir Änderungen vorgenommen. So wurde aus  „Denghoog“ das „Steinzeitgrab Denghoog“. Da hat jeder sofort ein Bild im Kopf.
 
Und warum wurde die Schreibweise geändert? Sölring hat jetzt kein Apostroph mehr.
(lacht) Das hat nichts mit unserer Neuausrichtung zu tun, sondern ist nur die Gleichzeitigkeit der Ereignisse. Sölring, also das Sylter Friesisch, ist eine Sprachsprache. Bis zur Erstellung des Möllerwörterbuches 1916 wurden alle Verlängerungen oder Ableitungen mit Apostroph geschrieben. Es gab bis dahin auch keine Groß- und Kleinschreibung. Das wurde in den 1960er Jahren geändert – und jetzt auch bei uns, weil wir alle Druckerzeugnisse an unseren neuen Außenauftritt anpassen.
 
 
Der Slogan der Sölring Foriining lautet jetzt „Wir sind Sylt“. Ist das nicht vermessen?
Wenn man die Umfrage-Ergebnisse betrachtet, keineswegs. Die Menschen billigen keiner weiteren Einrichtung außer der Sölring Foriining zu, eine echte und berechtigte Syltkompetenz zu haben. Und wo auf der Insel kümmert sich jemand sonst um die Geschichte und Traditionen? Gleichzeitig dürfen die Menschen beim Hören natürlich auch schmunzeln, denn „Wir sind Papst“ oder „Wir sind Weltmeister“ wurden ja auch immer mit einem Augenzwinkern kommuniziert.
 
Hat die Sölring Foriniing jetzt denn nur eine schöne, neue Hülle?
Die Sölring Foriining hat jetzt AUCH eine schöne neue Hülle, die dafür sorgt, dass Projekte, die wir ohnehin schon machen, besser wahrgenommen werden können. Trotzdem entwickeln wir weitere Ideen, die zu einer breiteren Teilhabe von Touristen und Syltern an unserem Verein führen wird.
 
Was denn zum Beispiel?
Auch die Sölring Foriining muss sich stärker in den sozialen Netzwerken präsentieren. Dazu suchen wir vor allem junge Leute, die uns dabei unterstützen.
Zugleich erhöhen wir die Aufenthaltsqualität in und an unserem Sylt Museum. Dort dürfen die Menschen gerne vorbeikommen, im Garten Platz nehmen und den gigantischen Blick auf die Wattseite genießen. Ohne, dass sie sich eine Eintrittskarte für`s Museum kaufen.  
Im Bereich der Denkmalpflege brauchen wir mehr Aktivisten, die mit uns lautstark die Stimme erheben, wenn Sylter Kulturgüter bedroht sind. Außerdem wollen wir uns noch weiter mit anderen Institutionen auf Sylt vernetzen.  
 
 

Die neuen Namen:

  • Aus dem Heimatmuseum Keitum wird Sylt Museum
  • Aus dem Denghoog wird Steinzeitgrab Denghoog
  • Aus der Vogelkoje Kampen wird Naturpfad Vogelkoje Kampen
  • Aus dem Altfriesischen Haus wird Altfriesisches Haus seit 1640


Die neuen Websites:

  • Für die Sölring Museen: www.soelring-museen.de
  • Für den Verein: www.soelring-foriining.de – die neue Version wird noch erarbeitet

 
 
SONDERAUSSTELLUNG | Europas Nordseeküste.

 
Die Fotografen Peter Haefcke und Michael Pasdzior bereisten zwischen 2015 und 2018 die Küsten von Großbritannien, Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Dänemark und Norwegen. Entstanden sind eindrucksvolle Farb- und schwarz-weiß Fotografien dieser Küstenlandschaften, die die Ansichten der einzelnen Länder als Anrainerstaaten der Nordsee spiegeln. Dabei haben die Fotografen Besonderheiten und Gemeinsamkeiten zwischen den Anrainerstaaten entdeckt.  
Die Ausstellung zeigt diverse Blicke auf diese Küstenlandschaft, sei es als Blick eines Arbeitsplatzes, eines Raumes zur Erholung oder als Stimmungs- und emotionsgeladener Ort mit Bewohner und Natur in einem ständig veränderten Prozess.
Laufzeit Sonntag, 24. März bis Sonntag, 16. Juni 2019
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 10 – 17 Uhr | Sa, So & Feiertag: 11 – 17 Uhr  
 
 
Weitere Informationen unter:  www.soelring-museen.de und www.facebook.com/soelringForiining