28. March 2021

Die stillen Ecken der Nordsee 4 von 5

Wer sich abseits der bekannten Gästeströme auf Entdeckungsreise begibt, der kann sie entdecken, die stillen und manchmal unscheinbaren Schönheiten voller Historie an der Nordsee Schleswig-Holstein:

 

  • Hoch oben in Nordfriesland   

 Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, die Landgewinnung. Einsame Wege im flachen Land und Bauernhöfe stehen auf Warften in der Weite eines endlosen Meeres grüner Wiesen und Weiden. Ein Meer waren Teile dieser Gegend tatsächlich, seit Jahrhunderten schützen sich die Leute vor der Nordsee; rangen die Menschen dem Meer Boden ab und machten ihn urbar, sicherten damalige Inseln in einer amphibischen Welt.

 

Wer mit dem Rad an der Küste Nordfrieslands unterwegs ist, passiert manchmal alte Deiche im Hinterland, Geschichtslinien, und radelt vorbei an „Halligen“, die nicht mehr im Meer liegen. Kommt hinzu: In der Weite Nordfrieslands fand der Maler und Expressionist Emil Nolde nicht nur Anregung und Motive für seine ausdrucksstärksten Bilder, sondern mit seiner Frau Ada schuf er auch einen Garten voller Blumen (in Seebüll / Saison- und Öffnungszeiten beachten) – intensiv und fast verschwenderisch leuchtend. In einem großen Raum und mit Bildern in herber Schönheit, im Stürmischen wie im Stillen. Es ist eine karge Landschaft unter dem Wind, doch eine voll intensiver Schönheit und Sinneseindrücke gerade im Herbst. Lange stand es unentschieden zwischen Land und Meer.

 

Manche Höfe tragen den Begriff „Hallig“ nicht nur im Namen, es waren einst sichere Eilande in einer Welt, die nicht mehr Land war und noch nicht Meer. Alle Wege nach Westen enden am Meer, die Deiche werden jünger und höher. Eine schöne Radroute führt zum Beispiel zum Rickelsbüller Koog. Dieses Gebiet, unmittelbar südlich der Grenze zu Dänemark, ist eines der letzten an der Nordsee, das eingedeicht wurde, das Projekt wurde Anfang der 1980er Jahre fertiggestellt. Das alte Rickelsbüll ging im Jahre 1615 in einer Orkanflut unter, so wie andere Siedlungen auch. Statt Glockengeläut des alten Kirchspiels die Rufe der Vögel. Längst ist auf dem Weg nach Westen an dieser Stelle aus Feld und Flur eine amphibische Welt geworden – Wasser, Schilf, Inseln; ein Refugium für Vögel. Goldregenpfeifer rasten hier zum Beispiel und wenn sie zu tausenden am Boden stehen, schimmert es wie Gold.

 

Spektakulär ist das Luft-Ballett der Alpenstrandläufer; wenn sie in wilden Formationen durch Luft tanzen. Man sagt, dass mit jeder Generation eine Deichlinie weiter westwärts rückte. Und die Leute nannten es Koog, was sie an Land gewannen. Ein alter Deich führt zur Kirche von Alt-Horsbüll, auch sie liegt auf einer Warft. Die Blätter der Silberpappeln flirren im Licht und die Nordsee ist längst zu spüren. Auch die Kirche von Fahretoft steht trutzig auf ihrer Warft. Vor Jahrhunderten kein sicheres Land, stattdessen legten Schiffe an. Die Kirche von Fahretoft steht umgeben von mächtigen Pappeln und Eschen und wacht über weites Land. Das einst ein Meer war. Und nun sicher hinter dem letzten, neuesten Deich liegt.

 

Weitere Tipps und Ideen für einen erlebnisreichen Urlaub an der Nordsee Schleswig-Holstein finden sich unter www.nordseetourismus.de sowie im aktuellen Nordsee Urlaubsplaner 2021 mit praktischer Erlebniskarte.

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