14. March 2021

Die stillen Ecken der Nordsee 2 von 5

Wer sich abseits der bekannten Gästeströme auf Entdeckungsreise begibt, der kann sie entdecken, die stillen und manchmal unscheinbaren Schönheiten voller Historie an der Nordsee Schleswig-Holstein:

 

 

  • Auf Spurensuche im Sylter Osten

Vor 1000 Jahren, die Wikinger. Wind zupft an den letzten Rosenblüten und weht in Wellen über das Gras, Beeren prangen saftig und sommersatt an den Büschen. Die Schritte schlagen in den Sand und der Weg führt vorbei an der Heide in die Einsamkeit, im Sylter Osten ist es still. Auf drei Seiten glitzert das Wattenmeer und in der Ferne klingen die Glocken von Morsum. Der Pfad verliert sich nach links, nach rechts und der Blick schweift über das Hügelige. In der gefällig gewellten Landschaft fallen kleine Kuppen auf, kaum mehr als einen guten Meter hoch - Grabhügel. Und diese Gegend haben sich Archäologen genauer angesehen – denn der Sylter Osten ist eine der schönsten bronze- und wikingerzeitlichen Sakrallandschaften Deutschlands.

 

Nachdem im Jahre 2015 ein Schatz offenbart wurde, ein Landwirt hatte den schon Jahrzehnte zuvor bei Morsum entdeckt, rückten die Altertumsforscher an und keine Viertelstunde später schrillten die Detektoren: nach und nach kam ein spektakulärer Silberschatz zusammen – Münzen, Barren, Schmuck. Tausend Jahre alt und von den Wikingern vergraben, es ist ein überaus bedeutender Fund.

 

Auf Sylt traf sich schon damals die High-Society, denn der Schmuck – teils aufwendig mit Mustern tierähnlicher Wesen verziert – war ein beachtliches Kapital, Wikinger-Oberschicht. Dann verschwanden die Wikinger im Dunkel der Zeit und es wurde wieder still im Sylter Osten, Jahrhundert um Jahrhundert legte sich über die Gräber. An diesem Abend ist es einsam und ruhig, kaum jemand ist noch unterwegs in dieser wildromantischen, nordisch-herben Landschaft und das tiefstehende Licht setzt Akzente, wird golden und warm.

 

Brombeere und Schlehe leuchten, man nascht am Strauch. Und blickt dabei auf das weite Wattenmeer und denkt an Wikinger-Fürsten und Leute aus der Bronzezeit, die hier ihre Toten bestatteten. Noch früher taten dies auf Sylt die Menschen in der Steinzeit und vor Archsum ging nicht nur ein Steingrab in der Zeit verloren, sondern auch in der Nordsee unter. Der Weg führt hinunter an die Wasserkante und vorbei am Morsum Kliff: in Farben von Ocker und Rost, in creme und weiß, ragt die Steilküste auf wie Mauern und Zinnen einer Burg in der Phantasie.

 

Wer allein unterwegs ist, wandelt auf traumhaft-leerer Bühne, fühlt sich ein wenig entrückt und wie aus der Zeit gefallen. Bald geht es hinauf nach „Klein-Afrika“, so heißt ein fast wüstenhaftes Gebiet, und der Sand weht knisternd. Herüber vom Gräberfeld, wie von einer Insel in der Zeit. Was ist schon ein Jahrtausend in ewiger Ruhe an diesem schönen, stillen Ort.

 

Weitere Tipps und Ideen für einen erlebnisreichen Urlaub an der Nordsee Schleswig-Holstein finden sich unter www.nordseetourismus.de sowie im aktuellen Nordsee Urlaubsplaner 2021 mit praktischer Erlebniskarte.

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