04. May 2019

Ganz dahinten, wo der Leuchtturm steht

Das wahrscheinlich Schönste am FKK-Zeltplatz von Amrum ist der Anblick im Winter, wenn nichts mehr – aber auch gar nichts mehr – darauf hinweist, dass dort im Sommer zeitgleich über 500 Menschen leben. So schrieb Amrums Inselchronist Georg Quedens in einem seiner Jahrbücher, in denen er über 30 Jahre lang alles festhielt, was auf der kleinen Nordseeinsel passierte. Und er hat so Recht: Der Zeltplatz muss als einer der schönsten des Landes gelten, liegt er doch mitten im Naturschutzgebiet Amrumer Dünen. Nichts als hohe Sandberge, gleich dahinter das Meer, überstrahlt vom Licht des Leuchtturms. Sein Feuer zieht alle 7,5 Sekunden durch die Nacht, nirgendwo an der deutschen Nordseeküste kann man von so hoch oben in die Weite gucken. “. Eine derjenigen, die schon ewig dort zeltet, erinnert sich an ihre Kindheit: „Wenn der Leuchtturm angeht, musst du nach Hause kommen.“ Barbara Katzer, die Vorsitzendes des Amrumer Sport- und Naturistenvereins (ASN), der den Platz betreibt erzählt: „Dieser Platz ist ein Familienplatz, drei, vier Generationen haben hier Urlaub gemacht und machen es weiter.“ FKK ist hier noch eine Kultur. „Dabei muss man sich nicht ausziehen, aber man darf“, sagt Katzer. Amrum ist eine Insel im Wind, so also ist es der Körper auch, und den muss man schon aus diesem Grund oft schützen. Ansonsten setzt man auf dem 2,5 Hektar großen Gelände auf ein soziales, respektvolles und nicht zuletzt kulturelles Miteinander. Viel Sport, ein Sommerfest und Klampfenabende am Feuer vor dem (selbst entworfenen) Gemeinschaftszelt, mit Liedern, die die FKK-Fans in über 50 Jahren zusammengetragen und in Liederbüchern festgeschrieben haben, wie dem „Duschplattler“ oder „Immer bläst der Wind“. „Ich will mal raus aus meiner Rolle ... ich will mal raus aus Plüsch und Zotteln“.

 

FKK-Zeltplätze gibt es nicht mehr wie Sand am Meer. Ist die Freikörperkultur out seit Self(ie)-Optimierung in ist? Auf Amrum sieht es nicht danach aus. Das Familiäre auf dem Platz verhindert ungehaltene Smartphonie und Posertum. Man fühlt sich immer noch sicher und frei. Ausnahmen, wie im heißen Sommer 2018, als alles spontan an die See drängte, gibt es immer. “Da haben wir den Platz kurzfristig für Nichtmitglieder schließen müssen, es wurde einfach zu voll. Und nicht alle, die kamen, waren FKK-Fans“, sagt Katzer. 17 Euro am Tag kostet ein Mensch samt kleinem Zelt in der Hochsaison. Die freundliche Platzwartin gibt die Tipps der Stammgäste an die Neuen weiter: lange Heringe sind ein Muss. Und wer den Sand nicht überall haben will, legt sich Teppiche vor und ins Zelt. Wird dieser Sommer wieder so warm, dann ist die Mitgliedschaft im ASR (26 Euro) eine der wertvollsten, die man haben kann.

 

Null Kommerz ist auf dem Platz Programm. Eine Ausnahme sind die Brötchen. Der Verkauf aus einem kleinen Wagen heraus war jahrzehntelang auf der Insel Chefbäcker-Sache. Dann gilt noch null Wohnwagen und Caravan, und null Auto. Was bedeutet, dass alles in Karren durch den tiefen Dünensand geschafft werden muss. So Mancher hat dabei kurz bereut, sich das einsamste Dünental ausgeguckt zu haben – ganz dahinten, wo der Leuchtturm steht. Die Stammgäste haben über die Jahre wahre Sandwunderfuhrwerke geschaffen und ziehen und schieben mit, wenn der Zeltnachbar sein Heim bezieht. Das neue Waschhaus hat viel Komfort, Steckdosen und (gemischtgeschlechtliche) Duschen mit Dünenblick. Als letztes Jahr nach über 35 Jahren der Vorgänger abgerissen wurde, verabschiedete sich die Fangemeinde des Platzes mit einem echten Waschhauskonzert. Hatten sie die alte Holzhütte doch Zeit ihres Lebens mittels Putz- und Kümmerplänen in Eigenregie sauber und instandgehalten. Sogar Toilettenpapier brachte jeder selbst mit.

 

Die Natur hat in so einem Naturschutzgebiet immer den besten Platz. Wo sich die Eiderente zum Brüten niederlässt, kann der Mensch nicht zelten und muss sich ein anderes Tal suchen. Auch Wildkaninchen, Sturmmöwen, Fasane und Austernfischer leben mit auf dem Platz.   

 

Nackt und Wind auf der Haut: Das freie Körpergefühl, das erst in 1960er Jahren gesellschaftliche Akzeptanz erfuhr, hat nicht wenigen Inselkindern den Aufklärungsunterricht bereitet, den die Schule in prüderen Zeiten vermissen ließ. Oft „verirrten“ sich Amrumer Kinder in die Strandburgen der Nackten und beäugten unter fadenscheinigen Begründungen („Wir wollten nur mal fragen, wie spät es ist“) die Anatomie vorwiegend weiblicher Körper. Der Kniepsand, wie der Strand auf Amrum genannt wird, liegt gleich hinter den Zelten. Er ist einer der größten Europas und endlos (10 Kilometer) lang. Der FKK-Bereich wird auch von anderen Badegästen gern genutzt: Wind auf der Haut, Salzwasser am Körper, unendliche Freiheit und einen guten Fair-Trade-Kaffee gleich nebenan am Häuschen des Strandkorbvermieters.

 

Informationen zum Platz:

www.fkk-zeltplatz-amrum.de   www.asn-amrum.de

Geöffnet bis ca. Mitte September 

Pro Person und kleinem Zelt in der NS/HS: 10/17 Euro

Kinder bis 14 Jahre: 1,50 Euro / Jugendliche 4 Euro  Nicht-ASR-Mitglieder zahlen einen Aufschlag

Zum Ein- und Ausladen darf das Auto bis zum Zeltplatzeingang vorgefahren werden. Danach steht es 600 Meter entfernt auf dem ausgewiesenen Parkplatz. Auf dem Platz, der mitten im Naturschutzgebiet Amrumer Dünen liegt, ist Rücksicht auf die Natur und die Mitmenschen oberstes Gebot. Kippen, Gaffer und Poser sind unerwünscht

 

Schöne FKK-Strände -

 

  • Der Kampener Strand - ein Naturerlebnis ohne Gleichen

In Kampen befindet sich der bekannteste FKK-Strand der Insel Sylt. Der Strandabschnitt Buhne 16, benannt nach dem gleichnamigen kultigen Bistro vor Ort, zählt sogar zu den schönsten FKK-Stränden der Welt. Und das nicht ohne Grund: Besonders in den Abendstunden leuchtet das Rote Kliff, eine Steilküste, die sich auf 4 km zwischen Kampen und Wenningstedt erstreckt, in kräftigen Farben und schafft so eine ganz besondere Atmosphäre.
www.insel-sylt.de

  • Endlos und natürlich – Badestelle Ording Nord, St. Peter-Ording

Die Badestelle Ording Nord liegt an der Spitze der Halbinsel Eiderstedt. „An meine Haut lasse ich nichts außer Sonne, Wind und Meer" – das ist das Motto der Besucher, die hier ihren Urlaub genießen und die Seele baumeln lassen. Von dem weitläufigen Strand lassen sich bei guter Sicht sogar der Westerhever Leuchtturm oder die Insel Pellworm erblicken.
www.st-peter-ording.de

 

  • Freikörperkultur am Grünstrand in Westerdeichstrich

Charmant, von landwirtschaftlicher Natur umgeben bietet der FKK Bereich am Strand im Ortsteil Stinteck viel Platz zum Sonnen oder für Badespaß in der Nordsee. In direkter Nähe zu dem weitläufigen Grünstrand liegt der Campingplatz „NordseeCamping In Lee“ der seine Gäste mit viel Komfort begrüßt.
www.westerdeichstrich.de

 

Einen Überblick über weitere FKK-Strände finden Sie hier:
https://www.nordseetourismus.de/fkk-an-der-nordsee

Weitere Ideen für einen erlebnisreichen Urlaub an Nordsee Schleswig-Holstein finden sich im kostenlosen nordsee Urlaubsplaner mit praktischer und herausnehmbarer Freizeitkarte. Der nordsee Urlaubsplaner ist über die Internetseite www.nordseetourismus.de oder telefonisch unter der Tel: 04841-89750 bestellbar.