16. September 2020

„Zerwürfnis. Mensch – Natur“

Das Sylt Museum zeigt in der Ausstellung »Zerwürfnis. Mensch – Natur« über 50 Arbeiten des Malers und Grafikers Dieter Röttger, der 1930 in Hamburg geboren wurde und 2003 in Keitum verstarb.

 

 

Die menschliche Anatomie bildet in Röttgers Werk ein zentrales Thema. Gleichzeitig schöpft der Künstler auch aus der Naturwelt Inspiration für seine Formensprache. In Studiensucht er die Baupläne der Natur auf, interpretiert sie spannungsreich neu und verwandelt sie in Strukturbilder. So gehört zum Beispiel das Schneckengehäuse zu den wiederkehrenden Motiven in seinen Studien, in denen er die Rosettenform herausbildet. Seine Formenwelt zeigteine Mechanik von Aufwickeln und Abwickeln, die Röttger in weitere Formenstudien überträgt.

 

Experimentierfreudig entschlüsselt der norddeutsche Künstler das Zusammenspiel von Objekt und Formensprache.Die aus der Natur vertrauten Bilder sind nur noch schemenhaft zu erkennen oder verschwinden ganz. Das Abbild spielt keine Rolle mehr. Röttger zerlegt nicht nur die Formen einzelner Pflanzen, Tierarten, Körper und Körperteile, sondern auch die Landschaft. Seine Motivereduziert er auf ihre Struktur, deren linearen Verlauf er ausarbeitet und mit einem unterstützenden Farbklang verbindet. Zum Verwechseln ähneln sich Körpertorsound Pflanzenstruktur, fortwährend spielt der Künstler mit der Transformierung des Lesbaren. Das florale Gebilde scheint den menschlichen Körper zu ersetzen – und andersherum.

 

Dabei schafft Röttger ein Spannungsfeld zwischen der Linie und dem Körperlichen. Energisch verdichtet er die einzelnen Elemente und verkettet die Gitterstrukturen, sodass der Betrachter die entstehenden Bilder frei und immer wieder neu interpretieren kann.Wie Pfeile durchdringen und stören feine Linien den Körper. Der Strahlenstern wird von einem umschließenden Rund begrenzt, bedrohliche Kräfte schwelen in geometrischen Formen. Röttger unterstreicht diese dynamisierte Kraft der gewachsenen Form durch seinen Bildaufbau.Die Komposition ist entscheidend. Mit ihr kennzeichnet der Künstler bewusst die Antipoden von Harmonie, Symmetrie und Ruhe.

 

Denn nicht immer scheint der Strukturverlauf die Dynamik und Kraft im harmonischen Sinne zu demonstrieren. Der Kampf mit dem Gegenüber oder dem Unsichtbaren wird deutlich. Die Zeichen einer Gefährdung sind unübersehbar.Je tiefer Röttger in die Materie eindringt, umso stärker verschwimmen die Zuordnungen, umso spannungsreicher und unruhiger werden die Lesarten. Röttgers Strukturbilder lassen Mensch und Natur nicht nur eins werden, sondern separieren sie gleichzeitig voneinander.

 

  • „Zerwürfnis. Mensch – Natur“ ist bis zum 1. November 2020 im Sylt Museum während den Öffnungszeiten (Mo-Fr 10-17 Uhr, Sa, So 11-17 Uhr) geöffnet.

Weitere Informationen unter:
www.soelring-museen.de und www.facebook.com/soelringForiining

 

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